Verfasst von: ballmann | 10. Januar 2009

Warum tun die sich das an ?

fragt sich Rechtsanwalt Hoenig im Hinblick auf mein Leben als Teilzeitstrafrichter.

Ja warum ?

Nachdem ich eine Zeitlang als Anwalt gearbeitet hatte, also beide Seiten des Tisches kennengelernen durfte, habe ich das Armutsgelübde abgelegt und mich entschieden, doch lieber hinter dem Tisch zu sitzen.

  • So muss ich meine juristischen Fähigkeiten nicht an Leute vermieten, die mir im höchsten Maße unsympatisch sind und/oder deren Sache ich für ungerecht halte.
  • So muss ich mich nicht noch um 19.30 Uhr mit aufdringlichen Personen in meinen Kanzleiräumen in ödende Gespräche verwickeln lassen.
  • So habe ich noch immer das Gefühl, mit meiner Tätigkeit (Vorsicht: naiv und schwülstig) die Welt ein klein bisschen gerechter zu machen.
  • So kann ich dieses blog aus Lust an der Freud schreiben und nicht um neue Mandanten zu aquirieren.
  • So bestimme ich, wann Termin ist und der Anwalt muss kommen.

Ich gebe zu: Würde ich im Lotto den Jackpot knacken (wozu ich zunächst einmal mitspielen müsste) käme ich in Versuchung. Vielleicht würde ich mir eine Anwaltszulassung besorgen und nur solche Mandate annehmen, die mir Freude bereiten.

 

 

 


Antworten

  1. Vielleicht sollten wir das mal besser bei einem Bier klären. Mir scheint, Sie haben da eine völlig falsche Vorstellung von meinem Job.

    Zur Vorbereitung auf den gemeinsamen Besuch einer freundlichen Gaststätte nur soviel:

    - Ich halte es nicht für ungerecht, dazu beizutragen, einem mit unsympatischen Menschen (%Straftäter) ein rechtsstaatliches Verfahren zu gewährleisten.

    - Rufen Sie mich mal um 19:30 Uhr an, dann wissen Sie, daß ich um diese Zeit keine öden Gespräche führen muß (Nein! Ihr Anruf wird entgegen genommen).

    - Die Welt wird täglich ein wenig besser, weil auch und weil Strafverteidger daran mitwirken: http://tinyurl.com/86y4bz

    - Ich stehe morgens früh um 6 Uhr auf, um zu leben. Nicht um zu arbeiten. Ich sehe da keinen Unterschied. Mein Schreibtisch hat die gleiche Qualität wie unser Eßzimmertisch. Und deswegen bin ich Blogger.

    - Die Terminshoheit hat ihre Grenzen, wenn der Verteidiger möchte: BayOLG, 20.09.2000 (2 ObOWi 453/00), DAR 2001, 83 f.)

    Den Termin für die gemeinsam Einnahme eines freundlichen Getränks dürfen Sie aber gern bestimmen.

  2. das ist am Ende auch eine Form der prästabilierten Harmonie.

    In diesem Sinne: frohes Schaffen

    Joachim Linder

  3. Hm. Ich fürchte auch, Ihre Zeit als Anwalt muss grausam gewesen sein. Auch ich kann das meiste nicht wirklich bestätigen:

    - ich lehne durchaus Mandate ab und lege nieder, wenn ich sehe, es passt nicht.

    - hier ist wirklich um 18.00 im Büro Schluss, von Beurkundungen mal abgesehen.

    - o.k. Das kann ich nachvollziehen.

    - Akquise und mein Blog sind sich fremd. Ich bewirke eher das Gegenteil, lol. Und – toitoitoi – hab es auch zum Glück nicht nötig.

    - Terminsvorgabe: nur teilweise zutreffend. Momentan schicke ich fast in jeder Akte Verlegungsanträge raus (Überlastung).
    Übrigens stimmen viele ihrer Kollegin die Termine telefonisch vorab mit mir ab; auch die Gattin Familienrichterin verfährt so.

  4. Da ich meine Berufswahl ja noch nicht getroffen habe, fände ich es nett, wenn ich dabei sein dürfte, wenn die Argumente ausgetauscht werden :)

  5. Lieber Herr Hoenig,
    die Einladung zum Bier nehme ich gerne an. Wenn ich das nächste Mal in Berlin bin (die Stadt finde ich sehr sympathisch, möchte dort aber nicht leben) melde ich mich.

    Bei „unsympathischen Menschen“ hatte ich übrigens gar keine Straftäter im Auge, sondern zivilistische Mandanten.

    Dass Straftäter einen Verteidiger brauchen, um ein rechtsstaatliches Verfahren zu gewährleisten ist eine Selbstverständlichkeit. Wohl dem, ders kann und mag.

    @ Rechthaber: Sie haben ja den interfamiliären Blick auf beide Seiten

  6. Als Volljuristin, die eigentlich nie in dem Job gearbeitet hat, aber immer Staatsanwältin werden wollte, würde ich an dem Gespräch ja gerne teilnehmen. Auch wenn ich seit 12 Jahren raus bin aus der Juristerei lese ich Sie beide gerne.

  7. Ich hätte da noch ein Argument, das eher für den freien Beruf spricht: Ich kann unter meinem vollen Namen bloggen.

    Ohne daß ich befürchten muß, einmal von einem Richter als befangen abgelehnt zu werden, weil ich in einem Beitrag mal geschrieben habe: Der gesamter Mieter-/Arbeitnehmer-/Behinderten-/Frauen- … Schutz gehört abgeschafft.

    Und wenn ich meinen würde, in meiner Aufsichtsbehörde sitzen unfähige Wichtigtuer, dann schreibe ich das auch.

    Über den Richter der Abteilung 290 beim AG Tiergarten habe ich mich ja auch schon wiederholt geärgert, öffentlich.

  8. Hat lange gedauert, aber jetzt haben Sie den wunden Punkt doch noch gefunden.

    Ich kann mich leider nicht über bestimmte Anwälte öffentlich ärgern.

  9. Das stimmt in der Tat. Ihre allgemeinen Gesetze, die die Meinungsfreiheit einschränken, sind nicht die unseres „Berufsstandes“.

    Allerdings fallen mir gleich spontan einige meiner Kollegen ein, die… ach, lassen wir das.:-)

  10. Man kann schon unter vollem Namen als Richter bloggen…natürlich bei weitem nicht so frei und humorvoll wie ballmann.
    Ich kenne das Blog hier leider erst seit ein paar Tagen. Toll – und: weiter so, lieber Kollege ballmann.

  11. Wenn man im innersten Herzen die Gerechtigkeit
    liebt, kann man vielleicht nicht anders, als an der Justiz zu leiden. [H.R.]

  12. Jeder Beruf hat seine Vor- und Nachteile…

  13. Darf ich auch mit in die Kneipe? Ich mache nur Zivilrecht und habe keinen einzigen Mandanten, der mir unsympathisch ist.

  14. [...] Warum tun die sich das an ? fragt sich Rechtsanwalt Hoenig im Hinblick auf mein Leben als Teilzeitstrafrichter. Ja warum ? Nachdem ich eine [...] [...]

  15. [...] Die meisten Besucher wollten wissen, warum ich mir das antue. [...]

  16. Ich war zuerst im mittleren Dienst und da habe ich den Entschluss gefasst Jura zu studieren. Viele hielten das damals für unmöglich/abgehoben, etc. aber nun habe ich es doch geschafft, weil es einfach mein Traum war und ich mich unendlich reingehängt habe.


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