Verfasst von: ballmann | 21. August 2009

Kevin zu Haus

Kevin (er heisst nicht so, aber der Name würde zu ihm passen) ist 19.

Die Hauptschule hat er ohne Abschluss geschmissen, einen Ausbildungsplatz nicht gefunden, den 1-€-Job Ende letzten Jahres wegen zu vieler Fehlzeiten verloren.

Kevins Papa zahlt seit der Trennung vor 16 Jahren brav Kindesunterhalt.

Nun mag er nicht mehr und hat Abänderungsklage nach § 323 ZPO erhoben

Kevin, der ohne Anwalt, aber mit seiner Mutter bei Gericht auftaucht, versteht das nicht.

Auch Kevins Mutter ist erschüttert. „Wie sollen wir denn ohne den Kindesunterhalt den Monat rumkriegen?“ blöckt sie in bester  Nachmittags-Trash-Gerichtsshow-Manier von hinten dazwischen.

Weiss ich auch nicht.


Antworten

  1. Vielleicht kann Kevin ja maldas mit dem „arbeiten gehen“ nochmal versuchen. Und sie vielleicht auch, wenn man schon mal beim arbeiten ist.

    Geld verdienen nicht nur die Väter und es kommt nicht nur vom Amt.

  2. @Johannes: Ach was, atrbeiten führt doch zu nix! Dank H4 wird das Fehlende doch alles wieder ausgeglichen, einfach so!

  3. Ich hatte mal so einen Kevin, der bei ähnlicher Biographie dann in U-Haft gelandet war und von dort aus einen Antrag auf Prozesskostenhilfe für Kindesunterhalt gestellt hat…..

  4. Ich gebe ja zu, eine Familenrecht-Flasche zu sein. Und bin der höheren Macht über mir dankbar, dass es in keinem der beiden Examina dran kam.

    Hier also meine Frage: Gibt es im FamRecht nicht auch eine Schadensminderungspflicht des Unterhalsberechtigten?

  5. Kann doch sein, dass Arbeit schädlich ist,
    Die Menschen sind sehr verschieden.
    Ich kannte mal einen Vermieter,
    Der war auch ohne Arbeit zufrieden.

  6. also ebenso Ahnungsloser würde ich § 1602 Abs. 1 BGB im BGB finden…

  7. Der Psychologe würde sagen:
    Kevin ist natürlich nur deshalb in dieser misslichen Situation, weil er ein Scheidungskind ist. Da er dies den Rest seines Lebens sein wird – braucht er natürlich auch den Rest seines Lebens natürlich auch Stütze vom bösen Papi – der vielleicht auch noch ganz böse Schuld an der Scheidung war.

    Der gesunde Menschenverstand würde sagen: Junge geh arbeiten.

    Vor Gericht wird die Entscheidung wahrscheinlch so zwischen Psychologen und gesundem Menschenverstand liegen befürchte ich.

  8. @Johannes, Kevin ist ja gar kein Unterhaltsberechtigter mehr, weil er eben nicht mehr in (Erst-)Ausbildung steht.

  9. @ showbee
    Treffer, versenkt

  10. Das traurige daran ist, anstatt arbeiten zu gehen werden die wohl fortan von ALG 2 leben.

  11. Alles Neoliberale hier …

  12. Hauptschule wolte auch mein Kind vegschmeisen,
    ich habe viel nerven verloren, überal angeschrieben, habe die Schule durcheinnander gemach, und mein Kind beenden Realschule Abschlüß mit Gute leistungen, weil er hat Talent, nur hier war geheime übermittlung an der Schule, aber auf der weg mein kampf ich habe erreicht, und habe gemerk beim zwei Lerhrer welche suchtig, ja ja Drogen suchtig.

  13. Zitat Gulnara:

    „…habe die Schule durcheinnander gemach…“

    Glaube ich aufs Wort!

  14. „Kevin (er heisst nicht so, aber der Name würde zu ihm passen)“

    zu dieser geistigen Radkappe fällt mir prompt „milieugeschädigt“ ein.

    #k.

  15. Gulia heisst jetzt Gulnara?

  16. egal, haupsache name bedeutet Blumen

  17. Kevins Papa hat eine weise Entscheidung getroffen.

  18. … und wo ist das „schließende geschwungene Ausführungszeichen“? ;-)

  19. @GaGaF

    Anscheinend keine Ahnung von H4 oder?

    1. Wer arbeitet hat immer mehr als H4, weil Einkommen nie komplett gegengerechnet wird, sondern immer Freibeträge abgezogen werden (Lohnabstandsgestz).

    2. Im vollen Hartz IV-Satz sind z.B. ca. 17.- Euro für Strom enthalten, dass reicht kaum für den Kühlschrank und die Beleuchtung. Bei andren Posten verhält es sich genauso.

    3. In Zeiten des Aufschwungs haben sich die Unternehmen viel Geld unter den Nagel gerissen, während die Einkommen der Menschen, die die Gewinne miterarbeitet haben gesunken sind. Folglich ist H4 nicht zu viel, sondern die Löhne zu niedrig. Die Niedriglöhne werden dann mit H4 subventioniert um die Gewinne der Unternehmen zu steigern. Die eigentlichen H4-Schmarotzer sind folglich die Unternehmen (nicht alle, gibt auch Ausnahmen).

    4. In den letzten 20 Jahren haben die Medien die Meinung über Erwerbslose geändert, damit immer mehr Menschen auf diese Menschen schimpfen, statt die waren Ursachen in Betracht zu ziehen. Im letzten Jahrhundrt waren Erwerbslose noch Menschen die bedauert wurden und man hat den Staat aufgefordert, mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Mittlerweile werden Erwerbslose als arbeitsscheue Schmarotzer angesehen. Doch wo sollen Sie arbeiten, wenn 4 Millionen Arbeitsplätze schlichtweg nicht vorhanden sind?

    5. Bildungschancen in Deutschland sind so vom Geldbeutel der Eltern abhängig wie in keinem anderen europäischen Land. Folglich sind viele Menschen ab Geburt relativ chancenlos. Diese Fehler liegen aber nicht bei denen, die keine Arbeit haben.

  20. „Wie sollen wir denn ohne den Kindesunterhalt den Monat rumkriegen?”

    Das nennt man wohl „erlernte Hilflosigkeit“.

  21. „2. Im vollen Hartz IV-Satz sind z.B. ca. 17.- Euro für Strom enthalten, dass reicht kaum für den Kühlschrank und die Beleuchtung. Bei andren Posten verhält es sich genauso.“

    Wir verbrauchen als 3 (!!!) Personenhaushalt 200,- Euro Strom im JAHR! Der Fernseher muss ja nicht den ganzen Tag laufen, ein Buch ist umweltfreundlicher und gibt es sogar für lau bei der Stadtbibliothek.

  22. Yes! Endlich Volljährig und Ausbildung abgebrochen!

    @showbee Wo soll es das geben(200 Euro Strom für 3 Personen)? Die Zählergebühren machen ja schon 50-100 Euro aus. Selbst wenn man nur 15ct/kwH annimmt ohne Zählergebühren, sind 1300kW/h p.a. absolut unglaubwürdig. Da kommt selbst ein 1 Personenhaushalt nicht mit.

    http://www.energiesystem.de/Auswahl/Kompetenzen/Elektro/Stromkosten/Stromverbrauch/hauptteil_stromverbrauch.html

  23. drgeldgier: Tatsächlich sehe ich dort einen therapeutischen Bedarf. Denn wenn ein junger Mensch nicht fähig ist, Schule und Ausbildung zu absolvieren, liegen dort antrainierte Verhaltensmuster zugrunde.

    Ich würde es nicht nur auf das verbale Urteil Scheidungskind reduzieren. In dieser Familie scheint einiges schief gelaufen zu sein.

    Papilein sollte nicht mehr zahlen müssen!
    Muttilein und Söhni sollten sich ganz schnell Betreuung besorgen, damit das Leben wieder lebenswert und vor allem Selbstständiger wird.

  24. @showbee

    „Wir verbrauchen als 3 (!!!) Personenhaushalt 200,- Euro Strom im JAHR! Der Fernseher muss ja nicht den ganzen Tag laufen, …“

    Ich kriege laut Tarifrechner – billigstes Angebot – ungefähr 850 kWH für 200 €.

    D.h. wohnen im Keller spart Kühlschrank (350 kWH), Heizen und Kochen mit Ofen (Heizungspumpe sonst zwischen 90 und 450 kWH), lesen im Winter durch mit Heimtrainer und Dynamo angetriebene LED-Stirnleuchte.

    Ganz vergessen, Computer nur während der Arbeitszeit (wenn der um 14.02 zu Hause schon läuft sind das locker 1000kWH/a)

    Ich habe mich während meiner Arbeitslosigkeit in einer Initiative engagiert (wegen der ganzen Rechtsbrüche in unserem Optionskreis wurde ich notgedrungen zum Laienjuristen – hab mich sogar mal vor dem Sozialgericht allein vertreten und gewonnen – man findet für die paar Euro nicht so schnell engagierte Rechtanwälte).

    Es gibt eine ganze Reihe von Familien, die schon seit 2-3 Generationen Sozialhilfeempfänger sind (also nichts anderes gelernt haben) und da auch nicht rauskommen. Allein „sollen doch mal arbeiten gehen“ greift da zu kurz („Wo denn, wie denn, was denn?“).

    Die meistens von denen machen alles Mögliche, um über die Runden zu kommen (besonders Mutter mit Erwachsenem Sohn, der nur 80% Stütze kriegt und zu Hause leben muss), aber einen schönen Tag auf unsere Kosten, machen sie sich in der Regel nicht!

    Zumindestens aus meiner Sicht sieht ein schöner Tag anders aus, wenn die zur Verfügung stehenden Mittel nur für 20 Tage gesunde Ernährung ausreichen.

    Grüsse

  25. @Showbee

    ich denke die meisten wären hier sehr an ihren Stromspartechniken intreressiert. Denn 200 Euro pro Jahr das wäre phänomenal.

    Bitte lassn sie uns an ihren Tipps teilhaben. Die hier anwesende Leserschaft und die Umwelt werden dankbar sein.

    viele
    Grüße

  26. @nethippi: So „bier“ernst wollte ich das Thema doch gar nicht betrachten! Mir ist schon klar, das Arbeit auch bei H4 zumindest etwas lohnt!
    Zu deinem Punkt 5/Bildung: Ich gebe dir grundsätzlich recht. Aber ich kenne persönlich von H4 Betroffene, welche ihre beiden Kinder in eine gute Privatschule schicken! Man muss nur hartnäckig beim verhandeln bleiben und auf die üblichen (Pflicht-)Floskeln in den Schulsatzungen (keine Diskriminierung etc.) pochen, dann geht auch was! Natürlich bleiben die dann noch zu zahlenden Beträge für H4er trotzdem gigantisch, aber wenn es sich am Ende „auszahlt“…

  27. @nethippi

    1. Wer arbeitet hat immer mehr als H4, weil Einkommen nie komplett gegengerechnet wird, sondern immer Freibeträge abgezogen werden (Lohnabstandsgestz).

    sicher hat man einerseits unter strich mehr, wenn ich habe wie in meinem Fall, Fahrtkosten zur Arbeit und den Kindergartenplatz für meinen Sohn abgezogen habe, dann hatte ich unterm Strich 200 Euro weniger, und das ist in meinem Augen nicht gerade sozial verträglich

    Gott Sei Dank konnte ich vor 2 Jahren das Thema H4 hinter mir lassen, da auch mein Mann wieder Arbeit gefunden hat und wir heute ganz normale Menschen sind. Die sich nicht mehr wieder Aussatz der Menschheit anschauen lassen müssen

  28. „wir heute ganz normale Menschen sind“

    veg zum normale Menschen ist zu schweer, weil die Krise war politisch verursacht, und Bevolkerung durch Privatisierung hat Schaden.

  29. @ichich

    aber auch die Fahrtkosten (ok, „nur“ 20 c/km, außer bei Nachweis höherer Ausgaben), Kita-Kosten usw. werden nicht auf h4 angerchnet. Wie man dann auf 200 € weniger kommen kann, ist mir wirklich rätselhaft.

  30. die Fahrkosten jeder Monat zur Ausländeramt, und zum Fachärzte wir auch selbs bezahlen, und die Fahrkosten für Untersuchungen, alles für die Katze, weil Unterlage verschwunden wegen Gesundheitpolitik, und bin leer.

  31. @jb

    ganz einfach, weil ich nicht arbeitslos war sondern in Elternzeit und somit ja kein neuer Arbeitsplatz geschaffen wurde, ich selbst bin in der Arbeitslosenstatistik nie aufgetaucht, da ich ja nie arbeitssuchend war.
    Und deshalb, so die Auskunft unserer ARGE habe ich keinerlei Anspruch auf die Förderung meiner Arbeit. Hätte ich das Angebot meines Chefs angenommen und mich kündigen lassen, am 1.Arbeitstag, dann hätte ich mehr Geld gehabt, wenn ich dann vlt. irgendwann wieder nen Job gefunden hätte. Dieses Angebot habe ich aber dankend angelehnt, auch wenn ich für mich einen finanziellen Vorteil bedeuted hätte.

    6 Monate mussten wir damit klar kommen, dann hat mein Mann endlich eine Arbeit gefunden. Und wir hoffen und beten, dass wir nie wieder in die Fänge einer ARGE kommen

  32. Wegen Arbeitsuchend, habe schon angemeldet und jeder 3 Monat in Bad-Berlerburg mit meine Fahrkosten ab ende 2002 bis Ende 2005, und Kopie habe abgegeben beim meine „Betreuer“, das auch verschtrichen, auch für die Katze,
    ich kenne mich nicht Gut aus die Gesetze. Ausländer bishen Dumm.

  33. [...] von mir gern gelesene Familienrichter Ballmann deutet in diesem Blogbericht auch nicht unbedingt nur positive Erfahrungen [...]


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